
Auf wir im Maerz angefangen haben uns Gedanken zu machen, womit wir unsere Zeit in
Thailand verbringen werden,
bekamen wir den Tipp von einigen unserer Mitstudenten in der Yoga-Uni einen Thai-Massage-Kurs zu belegen. Eine der besten Schulen im Norden Thailands sei das
Old Medecine Hospital (es gibt den “Nordstil”, der in und um Chiangmai gelehrt wird, und den “Suedstil” in
Bangkok), wo wir uns gleich angemeldet haben. Doch haben wir einige Wochen spaeter in Ammas Ashram einen Renounciate getroffen, der noch einen besseren Tipp fuer uns hatte: das Sunshine Network, die nach Asokananda unterrichten. Wir glauben, die beste Schule in ganz
Thailand!

Und tatsaechlich kommt zum Treffpunkt in Chiangmai ein Maedchen aus den USA, die mit uns auch den Yoga Instructor Course in Prashanti (India) gemeistert hat, angewackelt. Die Welt von Reisenden ist sehr klein! Die Wiedersehensfreude um so groesser.
In nur 12 Tagen haben wir einen Anfaenger-Kurs belegt und sind nun in der Lage eine 2,5 stuendige Ganzkoerper Thai Yoga Massage zu geben. Was jetzt noch fehlt, sind viele viele Massagen zum ueben. Aber es finden sich ueberall bereitwillige Opfer! Wer sagt schon nein zu sowas?

Das Schoene am Kurs war, dass er nicht irgendwie in der Stadt in einem Gebaeude statt fand, sondern in einem Dorf mitten im Dschungel in den Bergen etwa 80 km noerdlich von Chiangmai. Auf den einen Pickup wurde das saemtliche Gepaeck geladen und auf den anderen … wir!

Sehr abenteurlich, vor allem, als es dann unterwegs angefangen hat zu schuetten. An einen moeglichen Unfall darf man in solchen Momenten gar nicht denken.
Das Dorf ist ein Hill Tribe Village und gehoert zum Stamm der Lahu. Wie andere Staemme in dieser Gegend wurden die vorher nomadisch lebende Bevoelkerung nach der Grenzziehung zur Sesshaftwerdung gezwungen. Immense Probleme mit Opiumkonsum traten auf. Die alten Leute rauchten vornehmlich, um den Jungen nicht zur Last zu fallen (weniger Appetit etc.). Die Situation verschlimmerte sich mit der Sesshaftwerdung und war dem Staat natuerlich ein Dorn im Augen. Nach einigen durchgreifenden Aktionen war Opium aus den Doerfern verbannt worden (ganz im Thai Stil: eines nachts kamen Soldaten und haben alle, die mit Opium verbunden waren, erschossen - Problem geloest!).
Rauchen tun die meisten aber immer noch gerne.
Die Lahus wirken sehr tuechtig, packen ihren Alltag an

und wenn es etwas Groesseres zu tun gibt, dann hilft das ganze Dorf gemeinsam, wie z.B. bei der Renovierung der Massage-Plattform (wir haben ein Video darueber gesehen).
Die Lahus sind von allen Bergstaemmen die am meisten modernisierten. Unter den Huetten sieht man Motorraeder,
zwischen den Huetten Satellitenschuesseln
und das groteskste Bild waehrend der Tage: eine Bambushuette und drinnen ein Fernseher mit DVD-Player. Es geht alles! Trotzdem gelten die Lahus als sehr traditionell. Sie tragen abgefahrene Klamotten, die der Dorfchef den Kursteilnehmern bei jeder Mahlzeit
zum Verkauf angeboten hat. Zu “Entwicklungshilfepreisen”. Klamotten
(uebergrosse Wickelhosen im Goa-Look, Jacken, Wadenschuetzer -> das wird der letzte Schrei, wenn eine von den Maedels, die das gekauft haben, anfangen damit draussen rumzulaufen – nur eine Frage der Zeit, bis das jemand kopieren wird!, Messer (“Papaya Banana”), Schmuck. Er ist gleichzeitig der Dorfschamane, leitet die Festivitaeten auf dem Dorfplatz.
Die Lahus tanzen da auch gerne. Die Lahoos koennen als ein Beweis dafuer genommen werden, dass es sehr wohl moeglich ist, stur an der eigenen Tradition und Sprache festzuhalten, gleichzeitig aber mit dem "Draussen" in Kontakt zu treten und zu bleiben. Die bestuerzten "Gutmenschen" in der Forschung sind dann immer so bestuerzt, wenn das "boese" moderne das "gute" alte Traditionelle ueberformt, ohne zu begreifen, dass wir selbst durch denselben Prozess gelaufen sind und laufen werden (einfach einen Massstab von mehreren hundert oder tausend Jahren nehmen).
Der Kurs an sich: wir hatten 6 Stunden am Tag Unterricht. Es ging los mit gemeinsamem Chanten.

Theoretische Aspekte wurden nur recht knapp behandelt, das war gut so. Erster Teil des Unterrichts war das Vorfuehren der neuen Techniken an einem “Patienten”,

dann waren wir dran – es wurde gleichzeitig nocheinmal vorgefuehrt und wir uebten an unserem eigenen Partner, dann eine Runde alleine und schliesslich wurde der Partner zum Masseur und man selbst zum Patienten, der genauso ueben duerfte.

Jeden Tag musste man sich einen neuen Partner suchen, so dass man bis zum Ende des Kurses schon 15 verschiedene Menschen in der Hand hatte. Wir waren insgesamt 16 Leute im Kurs, 8 Teams also. So kommt es, dass wir in den ganzen Tagen genauso viel selbst massiert wurden, wie wir massiert haben. Wir hatten einen tollen Lehrer

und drei Assisten. Es hat einem also immer jemand auf die Finger geschaut. Am vorletzten Tag hatten wir dann die Pruefung – unsere erste komplette Ganzkoerpermassage mit anschliessender detaillierter Besprechung und konstruktiver Kritik.
Das Essen war hervorragend. Sticky Rice is the best! Gluecklicherweise alles vegetarisch.
Hier herrscht eben eine gewisse Grundeinstellung vor…Kaffee gab es auch, selbst hergestellt, vom Anbau bis zum Bruehen. Wir haben uns beim Beschnuppern der Bohnen und der Kaffeesupp belassen.
Und das ist ein Blick in die Kueche:
Die Thai Yoga Massage nach Asokananda, so wie wir sie gelernt haben und wie eigentlich jede Thai Massage gedacht ist, wird als Meditation durchgefuehrt und nicht als blosse Druck- und Stretchuebungen.
Urspruenglich kommt die Thai Massage gar nicht aus Thailand, was der Name vermuten lassen koennte, sondern aus Indien! Sie hat sich ausgebreitet und hat am staerksten in Thailand Wurzeln gefasst, waehrend sie aus Indien verschwunden ist.
Am sechsten Tag gab es einen halben Tag frei – Ausflug! In den Dschungel zu den Wasserfaellen. Mal wieder ein Abenteuer auf dem glibbrigen 30cm schmal Pfad am Abhang entlangzulaufen und alle paar Meter den Hintern in den Schlamm zu setzen, weil die Schuhe nicht genuegend Gripp haben.

Um ganz ehrlich zu sein: unsere Lahu-Begleiter aus dem Dorf waren mit Flip-Flops unterwegs und mit Kochgeschirr und Essen auf dem Ruecken und haben uns noch die Haende gereicht, um die unueberwindbaren Stellen dann doch zu ueberwinden. Bei den Wasserfaellen angekommen, sind die Mutigen zuerst gesprungen und irgendwann dann auch wir beide. Nach dem ersten gemeinsamen Sprung folgten weitere einzelne und gemeinsame, weil es einfach riesig Spass macht in Wasserfaelle zu springen. Warum machen wir das daheim nicht? Bei uns gibt es doch auch genuegend Wasserfaelle!
(hier kommt noch das Sprungphoto hin)
Wenn wir heimkommen, packen wir alle in einen Pickup und springen in die Wasserfaelle, ok?! Nach dem Plantschen gab es noch was zu nagen aus vor Ort fabrizierten Bambusbehaeltnissen und Bambusstaebchen.

Aber auch der Weg zur Massageplattform, zur Toilette oder zum
Essen war abenteurlich, wenn es geregnet hat – und das hat es an ungefaehr der Haelfte der Tage.

Da es keine befestigten Wege gibt, rutscht man auf dem Schlamm den Hang entlang oder runter. Eine schmutzige, aber witzige Angelegenheit.

Da konnten wir das verpasste Leben auf dem Bauernhof nachholen in all seinen Zuegen. Das Dorf besteht aus einigen Dutzend Bambushuetten, die auf Holzpfahlen stehen. In denen waren wir auch untergebracht.

Einige wenige Huetten waren aus Holz und hatten Ziegel auf dem Dach – das waren aber auch die Kakerlaken gefluteten Haeuser. Ueberall laufen die Tiere frei rum: Schweine, Huehner und Hunde und Katzen

sowieso, in allen Alters- und Farbstufen. Zum ersten Mal Schweinebabies, nur wenige Tage alt, gepackt und gestreichelt, bis sie losgequieckt haben und Mamasau mit ihren 200 kg

auf uns losgestuermt ist. Mamasau hat auch mit Vorliebe unter unser Haus geschissen, einfach bestialisch trotz des tollen Essens, das sie gekriegt hat (unsere Abfaelle und Speisereste und noch Bananenherzen) – noch bestialischer war, dass der Haufen da nicht lange liegen blieb, weil sie sich daran machte die wohl noch verwertbaren Teile aufzuessen, die Huehner haben sich um den Rest gekuemmert. Die Tiere haben uns so einiges miterleben lassen aus ihrem Leben im Lahu-Dorf.

Am Ende der 12 Tage waren wir – und damit koennen alle anderen Kursteilnehmer, die wir gefragt haben, auch eingeschlossen werden – durch und durch zufrieden. So zufrieden waren wir schon lange nicht mehr. Es hat wohl in allen von uns viel bewegt...

Das allereinzigste war die Schweinescheisse, wo wir irgendwann angeeckt haben. ALLES andere war einfach wunderbar! Sehr weiterzuempfehlen.
